Ein kleines Pflaster auf den Bauch kleben und über Nacht Fett verlieren, ganz ohne Sport oder Diät. So wird das Abnehmpflaster in kurzen Social-Media-Clips und Shopping-Anzeigen angepriesen. Das Versprechen klingt bequem, und genau darin liegt der Reiz. Je genauer man hinschaut, desto dünner wird die Beweislage. In diesem Faktencheck klären wir, was in den Klebestreifen steckt, warum Wirkstoffe über die Haut kaum dorthin gelangen, wo sie wirken sollen, und was Verbraucherschützer zu den Produkten sagen.
Inhaltsverzeichnis
Das versprechen die Klebestreifen
Die Werbung folgt fast immer demselben Muster. Ein Pflaster wird auf Bauch, Oberschenkel oder in den Bauchnabel geklebt, angeblich lösen enthaltene Wirkstoffe dann über die Haut den Fettabbau aus, kurbeln den Stoffwechsel an und dämpfen den Appetit. Die Aufmachung erinnert dabei eher an ein Lifestyle-Accessoire als an ein Gesundheitsprodukt, mit dünnen, hautfarbenen Streifen in schicken Verpackungen und Influencerinnen, die morgens strahlend das Pflaster abziehen. Manche Anbieter sprachen zeitweise von GLP-1-Patches und spielten damit gezielt auf den Erfolg der Abnehmspritzen wie Ozempic an, obwohl in den Pflastern gar kein GLP-1-Wirkstoff steckt.
Preislich bewegen sich die Packungen meist im Bereich von rund 20 bis 40 Euro für eine Monatskur, oft flankiert von aggressiven Rabatt-Countdowns und angeblichen Vorher-nachher-Bildern. Solche Bilder sagen nichts über die Wirkung eines Pflasters aus, denn sichtbare Veränderungen entstehen durch Ernährung und Bewegung, nicht durch einen Klebestreifen. Wer seine Fortschritte ehrlich beurteilen will, kommt ohnehin nicht am nüchternen Blick auf Gewicht und Körperzusammensetzung vorbei. Wie du deinen Muskel- und Fettanteil realistisch im Blick behältst, haben wir separat aufgeschrieben.
Helfen Abnehmpflaster wirklich?
Kurz gesagt, nein. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass ein Abnehmpflaster beim Abnehmen hilft. Verbraucherschützer werden hier ungewöhnlich deutlich und sprechen von Verbrauchertäuschung, weil die versprochene Wirkung physiologisch nicht plausibel ist und durch Studien nicht gedeckt wird. Auch das Wissenschaftsformat Quarks (07/2026) kommt in seiner Recherche zum selben Schluss und spricht von dicken Versprechen bei dünner Evidenz.
Die positiven Erfahrungsberichte, die dir in Anzeigen begegnen, sind mit Vorsicht zu genießen. Ein Teil ist schlicht Marketing, ein anderer erklärt sich durch den Placebo-Effekt oder dadurch, dass Menschen parallel zum Pflaster ihre Ernährung umstellen und mehr Bewegung einbauen. Der sichtbare Erfolg kommt dann von diesen echten Veränderungen, nicht vom Klebestreifen. Wer so ein Schlankheitspflaster kauft, zahlt im Zweifel für die Motivation, überhaupt etwas zu tun, und die lässt sich günstiger haben. Warum die Sache schon an der Haut scheitert, lässt sich erstaunlich präzise erklären.
Warum ein Pflaster keine Fettzellen schmelzen lässt
Der Kern des Problems ist die Haut selbst. Ihre oberste Schicht, die Hornschicht, ist eine hochwirksame Barriere, die den Körper vor dem Eindringen fremder Stoffe schützt. Nur sehr wenige Substanzen schaffen es überhaupt in relevanter Menge hindurch, und das auch nur unter bestimmten Bedingungen. Ein Molekül muss klein und fettlöslich sein, um die Hornschicht zu passieren. In der Dermatologie gilt dafür als Faustregel eine Molekülgröße von etwa 500 Dalton als Obergrenze. Genau deshalb funktionieren die wenigen echten Wirkstoffpflaster aus der Medizin, etwa mit Nikotin, bestimmten Hormonen oder Scopolamin gegen Reisekrankheit. Diese Stoffe wurden über Jahre pharmazeutisch für die transdermale Aufnahme entwickelt, mit definierter Dosis und geprüfter Freisetzung.
Bei einem Abnehmpflaster fehlt genau dieser Nachweis. Selbst wenn ein Wirkstoff die Haut überwinden würde, ergibt die Vorstellung keinen Sinn, dass er anschließend gezielt Fettpolster an der Klebestelle verbrennt. So funktioniert der Fettstoffwechsel nicht. Fett wird nicht lokal durch die Haut nach außen gezogen, sondern im ganzen Körper über ein Energiedefizit abgebaut. Ein Streifen auf dem Bauch kann daran physiologisch nichts ändern, egal wie hochwertig die Klebefläche wirkt.
Dahinter steckt ein hartnäckiger Denkfehler, der punktuellen Fettabbau, oft Spot Reduction genannt. Die Idee, an einer bestimmten Körperstelle gezielt Fett zu verlieren, hält sich in Fitness- und Werbekreisen seit Jahrzehnten, ist aber widerlegt. Wo dein Körper zuerst Fett abbaut, entscheiden Gene, Hormone und Geschlecht, nicht die Stelle, an der ein Pflaster klebt oder ein Muskel arbeitet. Diese Logik kennst du auch von anderen kursierenden Wundermitteln. Ob das magnetische Armband gegen überflüssige Pfunde oder entschlackende Kuren, das Muster bleibt dasselbe. Ein bequemer Trick soll den Aufwand ersetzen, den echtes Abnehmen nun einmal bedeutet.
Vom GLP-1-Hype zum umbenannten Berberin-Pflaster
Besonders aufschlussreich ist, wie schnell sich das Marketing an aktuelle Trends anpasst. Als die Abnehmspritzen mit dem Wirkstoff Semaglutid einen regelrechten Hype auslösten, tauchten prompt Pflaster auf, die sich als transdermale GLP-1-Variante ausgaben. Mit dem tatsächlichen Medikament hatten sie nichts gemein, außer dem klangvollen Kürzel im Produktnamen. Die Verbraucherzentrale nahm sich die sogenannten GLP-1-Patches vor und stellte klar, dass darin weder das Hormon noch ein vergleichbarer Wirkstoff steckt, sondern eine Mischung aus Berberin, Glutamin und Chrom. Als Verbraucherschützer und Medien genauer hinsahen, verschwand die GLP-1-Bezeichnung wieder, und dieselben Streifen wurden kurzerhand als Berberin-Pflaster verkauft.
Bemerkenswert ist auch, was als Wirknachweis herhalten musste. Die Werbung verwies auf Studien, in denen die Inhaltsstoffe „erwähnt“ würden. Bei einer davon handelte es sich laut Apotheken Umschau um einen Selbstversuch, der keine Qualitätskriterien erfüllte, zwei weitere untersuchten Glutamin und Chrom in geschluckter Form. Die Aufnahme über die Haut kam in keiner davon vor, die Wirkung aufs Abnehmen ebenso wenig. Diese Beweglichkeit verrät viel über die Prioritäten dahinter. Es geht weniger um einen belegten Wirkstoff als um ein Etikett, das gerade Aufmerksamkeit verspricht. Wer ein solches Pflaster in den Warenkorb legt, kauft in erster Linie eine gut erzählte Geschichte.
Purisaki, Moringa x Berberin und Meta Balance: die Marken hinter den Anzeigen
Wenn dir die Klebestreifen in der Werbung begegnen, tragen sie meist einen von wenigen Namen. Purisaki gehört zu den präsentesten, dazu kommen Moringa x Berberin, Meta Balance Patch und eine Reihe kurzlebiger Bezeichnungen, die unter wechselnden Labels ähnliche Produktversprechen tragen. Viele Marken wechseln schneller als das Konzept dahinter, und genau das ist der interessante Teil.
Die Recherche der RiffReporter (03/2026) hat sich Purisaki genauer angesehen und dabei ein Muster dokumentiert, das man kennen sollte: erfundene Ärzte als Kronzeugen, Studien, die sich nicht auffinden ließen, und eine Herstellerseite, die während der Recherche mehrfach umgeschrieben wurde. Mal ging es um Gewichtskontrolle, mal um eine Wellness-Reise. Vertrieben werden die Pflaster demnach seit November 2025 von einem litauischen Unternehmen direkt an Endkunden, das Versprechen auf den eigenen Seiten lautete fünf Kilogramm oder mehr pro Monat. Belegt ist davon laut der Recherche nichts, auch nicht durch die beiden Studien, die der Anbieter auf Nachfrage nannte. Und, für die Frage nach der Zuständigkeit fast noch aufschlussreicher: eine deutsche Behörde, die hier eingreifen könnte, ließ sich bei der Recherche nicht ausmachen.
Dazu kommt eine Vertriebsseite, die mit der Wirkungsfrage gar nichts zu tun hat. Watchlist Internet (04/2026) hat die Bestellstrecke auseinandergenommen und beschreibt eine Abo-Konstruktion: Aus dem vermeintlichen Einmalkauf werden Folgelieferungen und Folgeabbuchungen, während die Bestellschaltfläche die gesetzlichen Anforderungen an eine eindeutige Kaufbestätigung zum Zeitpunkt der Analyse nicht erfüllte. Die Verbraucherschützer leiten daraus ab, dass ein solches Abo rechtlich gar nicht wirksam zustande kommt. Sie verweisen außerdem darauf, dass die britische Werbeaufsicht dasselbe Unternehmen bereits 2022 wegen Abnehmpflaster-Versprechen gerügt hatte.
Falls du bereits bestellt hast und plötzlich Folgelieferungen bekommst: widersprich schriftlich, prüfe deinen Zahlungsweg und schalte notfalls deinen Zahlungsdienstleister ein. Die Verbraucherzentrale deines Bundeslandes hilft in solchen Fällen weiter.
Berberin, Chrom und Bienengift im Wirkstoff-Check

Schaut man auf die Zutatenlisten, tauchen immer wieder dieselben Stoffe auf, allen voran Berberin, Chrom und Glutamin, dazu pflanzliche Extrakte wie Guarana, Moringa oder grüner Tee, in manchen Varianten auch Bienengift. Interessant ist vor allem Berberin, ein Pflanzenalkaloid, das online als natürliche Abnehmspritze gehandelt wird. Die Verbraucherzentrale ordnet das nüchtern ein. Berberin ist demnach keine natürliche Alternative zu Abnehmmedikamenten, und die Behauptung, es steigere das Hormon GLP-1, ist nicht überzeugend belegt. Internationale Studien zeigen zwar gewisse Effekte auf Blutzucker und Gewicht bei oraler Einnahme. Auf die entscheidende Frage, ob Berberin aus einem Pflaster überhaupt nennenswert durch die Haut gelangt, liefert allerdings keine davon eine Antwort.
Dazu kommt ein Sicherheitsaspekt, den kaum ein Anbieter erwähnt. Berberin gilt als potenziell toxisches Alkaloid mit möglichen Nebenwirkungen von Magen-Darm-Beschwerden über Blutdruckabfall bis zu Wechselwirkungen mit Diabetesmedikamenten. Die europäische Behörde EFSA prüft die Sicherheit von Berberin, eine öffentliche Konsultation lief bis Mai 2026, und in Nahrungsergänzungsmitteln ist der Stoff in der EU derzeit rechtlich umstritten (Einschätzung der Verbraucherzentrale).
Bei den übrigen Zutaten sieht es nicht besser aus. Für Bienengift als Schlankmacher über die Haut existiert nach aktuellem Kenntnisstand kein tragfähiger Beleg, dafür ein reales Allergierisiko. Chrom wiederum ist ein Spurenelement, das der Körper in winzigen Mengen ohnehin über normale Ernährung deckt, ein Abnehmeffekt lässt sich daraus nicht ableiten. Moringa und grüner Tee schließlich sind Pflanzenextrakte mit vergleichsweise großen Molekülen, die an der Hautbarriere schlicht hängen bleiben. Und selbst wenn Berberin oder Chrom in hoher oraler Dosis einen kleinen Effekt hätten, spielt das hier keine Rolle, weil die minimalen Mengen in einem Pflaster gar nicht erst in den Kreislauf gelangen. Genau an diesem Punkt setzt die zentrale Kritik an.
Gibt es Abnehmpflaster bei dm, Rossmann oder in der Apotheke?
Im regulären Sortiment von dm oder Rossmann wirst du die beworbenen Abnehmpflaster derzeit nicht finden, und auch die Apotheke um die Ecke führt sie üblicherweise nicht. Das ist kein Zufall, sondern aus unserer Sicht das aufschlussreichste Detail an der ganzen Geschichte: Der stationäre Handel und die Apotheken listen diese Pflaster bislang nicht, was bereits für sich spricht. Produkte, deren Werbung Verbraucherzentralen zum Begriff Verbrauchertäuschung greifen lässt, landen dort in aller Regel gar nicht erst.
Interessanterweise geben die Anbieter das indirekt selbst zu. Auf den einschlägigen Verkaufsseiten steht mehr oder weniger offen, dass das jeweilige Pflaster nicht bei dm, Rossmann, Kaufland oder in der Apotheke erhältlich sei, sondern ausschließlich über den eigenen Online-Shop. Das wird dort als Vorteil verkauft, nach dem Motto exklusiv und direkt vom Hersteller. Tatsächlich beschreibt es genau den Vertriebsweg, der ohne fremde Qualitätskontrolle auskommt.
Vorsicht ist außerdem geboten, wenn eine vermeintliche Apotheken-Website die Pflaster empfiehlt. Recherchen haben dokumentiert, dass für solche Werbung Internetadressen aufgegebener Apotheken und Arztpraxen übernommen wurden, teils im ursprünglichen Design, um mit deren etabliertem Namen zu werben. Eine Domain, die nach Apotheke klingt, ist also kein Qualitätssiegel.
Gibt es Berberin-Kapseln als Nahrungsergänzung bei dm und Rossmann?
Viele suchen nach dem Pflaster-Hype gezielt nach Berberin bei dm oder Rossmann, in der Hoffnung, den Wirkstoff wenigstens in Kapselform aus vertrauenswürdiger Quelle zu bekommen. Auch hier ist die Antwort ernüchternder als die TikTok-Clips vermuten lassen. Reines Berberin ist als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln in der EU derzeit rechtlich umstritten, üblich sind stattdessen Extrakte aus der Berberitzen-Frucht, wie die weiter oben verlinkte Verbraucherzentrale erläutert. Präparate, die trotzdem mit hochdosiertem Berberin werben, stammen deshalb in aller Regel aus Online-Marktplätzen und Importquellen, nicht aus dem geprüften Drogerie-Sortiment.
Solltest du dennoch auf ein Berberitzen-Produkt im Regal oder Onlineshop stoßen, bleibt das Grundproblem dasselbe: Die Abnehm-Wirkung ist auch für die Kapselform nicht überzeugend belegt, die EFSA prüft die Sicherheit des Stoffs noch, und für Risikogruppen gilt die ANSES-Warnung von weiter unten. Ein Wirkstoff wird nicht dadurch seriöser, dass er statt auf einem Klebestreifen in einer Kapsel steckt. Wie sich die derzeit lautstark beworbenen Kapsel-Varianten schlagen, haben wir uns bei den Lipo Xanthin Kapseln und bei Shape Labs One im Detail angesehen.
Was kosten Abnehmpflaster, und wohin klebt man sie?
Eine Monatspackung liegt meist zwischen etwa 20 und 40 Euro, wobei der beworbene Einstiegspreis selten der Endpreis ist. In Kundenberichten tauchen immer wieder Upgrades auf, die im Bestellprozess mitlaufen, dazu Folgeabbuchungen, mit denen viele nicht gerechnet hatten. Über ein Jahr gerechnet landet man schnell im dreistelligen Bereich, für ein Produkt ohne belegte Wirkung.
Die Anwendung ist schnell erzählt. Die Hersteller empfehlen üblicherweise, ein Pflaster täglich auf saubere, trockene und möglichst unbehaarte Haut zu kleben, gern auf den Bauch, in die Nabelgegend oder auf den Oberschenkel, und es nach etwa acht bis zwölf Stunden zu wechseln. Manche Anleitungen raten dazu, die Klebestelle regelmäßig zu variieren, damit die Haut nicht gereizt wird. Das ist der einzige Teil dieser Empfehlungen, der medizinisch tatsächlich sinnvoll ist.
Die Frage „wohin klebe ich es“ hat allerdings einen doppelten Boden. Sie unterstellt, dass die Stelle etwas mit dem Ergebnis zu tun hat. Genau das ist der Spot-Reduction-Irrtum von weiter oben: Ob der Streifen auf dem Bauch oder auf dem Oberarm sitzt, macht für den Fettstoffwechsel keinen Unterschied, weil dort ohnehin kein Wirkstoff in relevanter Menge ankommt.
Gibt es einen Abnehmpflaster Test von Stiftung Warentest?
Einen eigenständigen, veröffentlichten Vergleichstest speziell zu Abnehmpflastern gibt es bislang weder von Stiftung Warentest noch von Öko-Test. Das ist keine zufällige Lücke, sondern eine Folge der Testlogik. Seriöse Institute prüfen Produkte auf eine nachvollziehbare Wirkung und Sicherheit, und bei einem Produkt ohne plausiblen Wirkmechanismus gibt es schlicht nichts zu benoten, außer der Feststellung, dass die Werbung überzieht.
Was es dagegen gibt, ist ein Test zu Medikamenten für die Gewichtsabnahme. Die Prüfer haben dafür 17 in Deutschland zugelassene Arzneimittel unter die Lupe genommen, davon zwei rezeptfrei, und die komplette Studienlage zu den Wirkstoffen auswerten lassen. Zwei Wirkstoffe halten sie für empfehlenswert, von zweien raten sie ab, und bei allen wurden teils schwere Nebenwirkungen beobachtet, weshalb sie ohne ärztliche Betreuung nichts zu suchen haben. Die Packungspreise reichen von 45 bis 490 Euro, gezahlt wird das von den gesetzlichen Kassen nicht (Heft 4/26). Ein Pflaster taucht in diesem Testfeld nicht auf, und das ist der eigentliche Punkt: Es ist gar kein zugelassenes Arzneimittel und müsste seine Wirkung folglich nie beweisen.
Wenn dir im Netz trotzdem eine Seite mit der Überschrift Abnehmpflaster Testsieger begegnet, lohnt sich ein prüfender Blick. Häufig sind das Werbeseiten der Anbieter selbst, die den Anschein eines neutralen Vergleichs erwecken und wenig überraschend das eigene Produkt zum Sieger küren. Verbraucherschützer haben solche Konstruktionen dokumentiert, inklusive Domains, deren Namen nach einem bekannten Prüfinstitut klingen. Ein echter Institutstest wäre direkt auf test.de oder oekotest.de auffindbar und würde Produkte, Kriterien und Noten offenlegen. Fehlt diese Transparenz, ist der vermeintliche Testsieger nur ein Verkaufsargument.
Waren Abnehmpflaster wirklich in der Höhle der Löwen?
Diese Frage taucht so regelmäßig auf, dass sie eine klare Antwort verdient: Uns ist kein Abnehmpflaster bekannt, das je einen Deal in der Gründershow bekommen hätte. Die Verbraucherzentrale warnt seit Jahren vor Werbung, die Auftritte in der Sendung behauptet, die nie stattgefunden haben, bevorzugt für Produkte zum Abnehmen. Verwendet werden dafür montierte oder KI-generierte Bilder von Investorinnen und Investoren, teils flankiert von erfundenen Zitaten und gefälschten Presseartikeln. Judith Williams hat sich deshalb schon selbst per Video an ihre Follower gewandt, weil ihr Name für solche Anzeigen missbraucht wurde.
Das Prinzip ist dasselbe wie bei den Fake-Apotheken und den erfundenen Ärzten: Ein vertrauenswürdiges Umfeld wird geborgt, um ein Produkt seriös aussehen zu lassen, das die Prüfung sonst nicht überstehen würde. Wirbt ein Abnehmprodukt mit einem TV-Auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es diesen Auftritt nie gab.
Welche Risiken haben Abnehmpflaster für die Haut?

Unbelegt heißt nicht automatisch harmlos. Pflaster kleben über Stunden auf der Haut, und die Klebeschicht kann Rötungen, Juckreiz und Kontaktreizungen auslösen, besonders bei empfindlicher Haut. Löst man den Streifen ruckartig, reizt das die oberste Hautschicht zusätzlich, mitunter bleiben kleine gereizte Ränder zurück. Enthaltene Duft- oder Pflanzenstoffe erhöhen das Risiko für eine Kontaktallergie, und Bienengift-Varianten sind für Menschen mit Insektengiftallergie sogar potenziell gefährlich.
Dazu kommt der Berberin-Aspekt. Sollte tatsächlich eine relevante Menge in den Körper gelangen, wären UV-Empfindlichkeit, Magen-Darm-Beschwerden oder Wechselwirkungen mit Medikamenten denkbar. Die französische Lebensmittelbehörde ANSES riet bereits 2019 Schwangeren, Stillenden, Kindern, Jugendlichen sowie Menschen mit Diabetes, Leber- oder Herzerkrankungen von berberinhaltigen Präparaten grundsätzlich ab. Das zeigt, dass ein scheinbar harmloses Klebeprodukt durchaus relevante Inhaltsstoffe transportieren kann.
Was hilft beim Abnehmen wirklich?

Die unbequeme Wahrheit ist zugleich die beruhigende. Beim Abnehmen führt kein Weg an einem moderaten Energiedefizit vorbei. Du nimmst ab, wenn du über den Tag etwas weniger Energie zuführst, als dein Körper verbraucht. Wie du das erreichst, darf zu deinem Alltag passen. Eine eiweißbetonte, gemüsereiche Ernährung sättigt gut, mehr Alltagsbewegung und etwas Krafttraining erhalten die Muskulatur, und ausreichend Schlaf hilft dem Hormonhaushalt, der Hunger und Sättigung steuert.
Im Alltag helfen kleine, verlässliche Gewohnheiten oft mehr als jede radikale Kur. Regelmäßige Mahlzeiten, genügend Wasser, weniger stark verarbeitete Snacks und Wege zu Fuß statt mit dem Auto summieren sich über Wochen spürbar. Wichtig ist ein realistisches Tempo: Ein halbes bis maximal ein Kilo pro Woche gilt als gut haltbar, alles darüber geht meist zulasten von Wasser und Muskeln und kippt in den Jo-Jo-Effekt. Wer eine Vorerkrankung hat oder in einer besonderen Lebensphase steckt, holt sich fachliche Begleitung. In den Wechseljahren etwa verschiebt sich der Stoffwechsel spürbar, was die Sache erschwert, aber keineswegs aussichtslos macht.
Und noch ein Wort zu vermeintlichen Abkürzungen. Auch entschlackende Kuren und Detox-Tees halten ihre Versprechen selten. Das Prinzip ähnelt dem der Pflaster, ein Produkt soll die Arbeit übernehmen, die am Ende nur du selbst leisten kannst. Gutes Geld ist besser in eine ausgewogene Ernährung oder eine Ernährungsberatung investiert als in einen Klebestreifen. Wenn du wissen willst, ob sich unter der Oberfläche tatsächlich etwas bewegt, bringt dich eine verlässliche Körperanalysewaage deutlich weiter als jedes Pflaster, weil sie Muskelmasse und Fettanteil auseinanderhält, statt nur eine Zahl auszuspucken.
So erkennst du unseriöse Abnehmprodukte

Zum Schluss ein praktischer Filter für den nächsten Werbeclip. Diese Signale tauchen bei fragwürdigen Abnehmprodukten immer wieder auf:
- ❌ Es wird schneller, müheloser Fettabbau ohne Ernährungsumstellung oder Bewegung versprochen.
- ❌ Ein Produkt wird als natürliche Alternative zu verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Ozempic beworben.
- ❌ Dramatische Vorher-nachher-Bilder und Erfahrungsberichte ersetzen jeden echten Wirknachweis.
- ❌ Der Anbieter wirbt mit einem TV-Auftritt, einem Testsieg oder einer Apotheken-Empfehlung, die sich an der Originalquelle nicht wiederfinden lassen.
- ❌ Künstlicher Zeitdruck durch Countdowns, Restmengen-Warnungen und Mega-Rabatte baut Kaufdruck auf.
- ❌ Der Bestellprozess schiebt Upgrades dazwischen, und im Kleingedruckten steht eine automatische Folgelieferung.
- ✅ Seriöse Anbieter erklären Wirkmechanismen nachvollziehbar und verzichten auf Wunderversprechen.
Wenn dir mehrere dieser Punkte begegnen, ist Skepsis die richtige Reaktion. Ein Abnehmpflaster verspricht viel und liefert nach heutigem Kenntnisstand nichts außer einem gereizten Hautfleck und einem leichteren Geldbeutel. Die Grundlagen für weniger Gewicht sind unspektakulär, dafür funktionieren sie, und sie kosten dich keine 40 Euro pro Monat für einen Klebestreifen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der neutralen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden wende dich an deine Ärztin, deinen Arzt oder deine Apotheke. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
